4/30/2016

[Antwort] Wölkchens Freitags Fragen



Nachdem ich gestern im Kino und anschließend viel zu spät Zuhause war, ist mir die Tatsache, dass ja Freitag ist und ich die Freitags Fragen beantworten wollte, sozusagen vollkommen durch die Lappen gegangen. Mensch, Mensch, Mensch. Aber besser spät als nie sozusagen und deshalb - bevor ich nach dem Mittag vollkommen ins Suppenkoma verfalle - hier meine Antwort:

(Ich glaube, diese Einleitung hatte wirklich Rekord-Kürze. Kann man schon mal klatschen.)


Lässt du dich von einem schlechten Cover abschrecken?


Ich bin ja sozusagen fast schreckresistent. Obwohl ich - was Bücher angeht - manchmal schon ein ziemlich oberflächlicher Mensch bin. Jaja, man soll ein Buch nicht nach dem Cover bewerten und so weiter, aber Tatsache ist ja, dass man meist zumindest nach dem Cover kauft. Ob die Geschichte dann letztendlich gut ist, steht auf einem anderen Blatt. (Wortwörtlich.)

Deshalb sehe ich das Problem hierbei gar nicht mal bei dem "Abschrecken" durch das schlechte Cover, sondern vielmehr darin, dass man an Büchern, deren Cover einem absolut nicht gefällt, im Laden ganz schnell mal vorbeiläuft, ohne der Geschichte überhaupt eine Chance zu geben.

Also: Nein, ich lasse mich grundsätzlich nicht von einem Buch mit einem "hässlichen" Cover abschrecken, aber die Chance, dass ich es kaufe, sinkt gewaltig.


Hast du deinen Jahresurlaub bereits geplant? - Wo soll es hingehen?


Da ich ja in weniger als zwei Monaten in die Niederlande zum Studieren ziehe (langsam darf jetzt auch schon mal Panik geschoben werden), gehen meine letzten Schulsommerferien im Leben dieses Jahr größtenteils für produktiven Umzugs-Kram drauf und nicht für Urlaub. Allerdings fahre ich mit Leuten aus meinem Jahrgang auf Abschlussfahrt, die natürlich schon geplant und bezahlt ist und an den Bodensee geht. Da freu ich mich mittlerweile auch schon drauf.

Und wenn alles gut geht, fahre ich nächstes Jahr in der 1. Januarwoche (und so nah wie das an 2016 liegt, kann man das ruhig mit dazuzählen) nach Südtirol Skifahren - das ist aber noch nicht ganz sicher. Und ich hatte eigentlich geplant, eine gute Freundin von mir in Indien zu besuchen, wenn sie dort ihr Freiwilligenjahr macht, allerdings wird das auch allerhöchstens nächstes Jahr was und wahrscheinlich nicht mal das, weil so eine Reise das armer-Schlucker-Studenten-Budget eindeutig übersteigt xD

Ich bin aber guter Dinge, dass ich es irgendwie (irgendwie!) auf die frankfurter Buchmesse schaffe, also im Herbst. Kann man auch pi mal Daumen als Urlaub durchgehen lassen.



Wenn ihr zu einer der beiden - oder am allerbesten zu beiden der beiden - Fragen unbedingt auch etwas sagen/schreiben möchtet, dann solltet ihr das zur Unterstützung der lieben Fragestellerin schleunigst tun! Hier können die geistigen Ergüsse dann verlinkt werden.

Alles Liebe und schönen Samstag,
Antonia
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4/22/2016

[Antwort] Wölkchens Freitags Fragen (und kurzes Abi-Update)

Hallo meine Lieben!

Da mach ich eben noch mal kurz mein Dashboard auf und gleich tritt mich metaphorisch ein Pferd. Aber positiv. Also nicht wirklich treten. Das Pferd hat mich metaphorisch fröhlich angewiehrt. Obgleich das dann auch eher erschreckend ist, als alles andere. Wir kommen hier mit der Pferde-Metapher gerade wirklich nicht weiter. Also vergesst das Tier. Was ich eigentlich sagen will: Ich war sehr positiv-euphorisch überrascht, das Banner von Wölkchens Freitags-Fragen aufleuchten zu sehen. Ist schon eine ganze Weile her, muss ich sagen, fast ein ganzes Jahr. An dieser Stelle: Es ist so schön, dass sie wieder da sind. Ich hab sie vermisst und nie vergessen!

Bevor ich jetzt gleich zur Beantwortung übergehe noch ein kurzes Abi-Update (für alle Interessierten oder auch nicht Interessierten - tja, jetzt habt ihr einmal angefangen, diesen Abschnitt zu lesen und es wäre wirklich eine Schande, ihn zu überspringen, nachdem ihr euch durch eine fast dreizeilige Klammer gearbeitet habt.): Ich habe heute mein persönliches "Angstfach" Bio hinter mich gebracht. (Und ich bin deshalb sehr, sehr, sehr erleichtert, wenn ich ehrlich sein soll.) Also. Ich bin gut in Bio, war schon immer gut in Bio, aber nebst dessen bin ich auch furchtbar faul. Und obwohl ich die letzten zwei Tage gelernt habe, wie eine Irre, habe ich am Erfolg der heutigen Bio-Prüfung durchaus gezweifelt. Nun ja. Irgendjemand im Kultusministerium schien gute Laune gehabt zu haben, die Aufgabe 1 (man kann bei uns zwischen zwei Aufgaben wählen) war nämlich wirklich sehr sozial. Zwar hat mein Herz beim ersten Wort ("Fotosynthese" - Zitat von mir am Morgen: "Ich hasse Fotosynthese. Ich hoffe, es ist eine gute Aufgabe dabei, wo die nicht drankommt." - Hahahaha, weit gefehlt.) einen kurzen Aussetzer gemacht, allerdings klopfte es dann gleich weiter, weil nur die Summengleichung verlangt war, die ich tatsächlich kann. Und die Bedeutung der Fotosynthese, die ich auch kann. Und die Abhängigkeit von der Temperatur, die ich - wer hätte es gedacht? - auch kann. Das sieht jetzt aus, als wäre ich nur zur Hälfte die Fotosynthese-Niete, als die ich mich ausgebe, aber ich schwöre: Wäre die Licht- oder Dunkelreaktion drangekommen (a.k.a. alles andere beim Stoffgebiet Fotosynthese, also 90% des Stoffgebietes Fotosynthese), wäre ich geliefert gewesen. So war es dann doch ganz in Ordnung. Ich kann mich selbst immer gar nicht einschätzen, weshalb ich mich sowohl mit Euphorie, als auch mit Pessimismus ein wenig zurückhalte. Am 23. Mai bekomme ich die Ergebnisse, bis dahin so viel: Ich habe ein ganz gutes Gefühl und glaube, nicht versagt zu haben. 
Montag folgt dann noch meine letzte schriftliche Abiturprüfung (Geschichte), für die ich heute Abend definitiv noch ein bisschen lernen werde und morgen und übermorgen. Mein persönliches Favoriten-Thema wäre irgendetwas rund um "Deutsche Frage im 19. Jahrhundert", das finde ich, Obernerd meines Geschichtskurses, am spannendsten. Aber das Leben ist ja kein Wunschkonzert. Ich bereite mich auf alles vor und bin sicher, dass ich in meinem (zusammen mit Deutsch und Ethik) Lieblingsfach die Sache schon reißen werde. Drückt aber trotzdem mal die Daumen, kann ja nicht schaden.

Es tut mir wirklich leid, dass ich euch jetzt so mit meinem Abi-Update (was für eine großartige Wortzusammensetzung) zugespamt habe. Es sei mir verziehen, ich komme wirklich langsam auf Blog-Entzug. Nach Montag geht's dann wieder richtig los. Englisch-Vorbereitung für die mündliche Prüfung schaukle ich auch nebenbei. Doch bevor ich jetzt wieder anfange einen Monster-Absatz zu schreiben, stürze ich mich sofort auf die Freitags-Fragen. Jetzt. Sofort. Warte, noch ein bisschen. Jetzt.


Was machst du mit deinen schon gelesenen Büchern?


Ich bin einer dieser Menschen, der Bücher regelrecht hortet. Ich liebe Bücher. Nicht nur zum Lesen, sondern auch ganz allgemein. Es gibt nichts beruhigenderes als Räume voller Bücher (ein Bibliotheksbesuch ist für mich das, was für andere Yoga ist) und deshalb verkaufe ich meine Bücher nicht, nachdem ich sie ausgelesen habe, sondern stelle sie in den Schrank oder ins Fensterbrett und entspanne durch ihre bloße Anwesenheit.

Dieses Verhalten - also das "Bücher kaufen, lesen und dann im Schrank stapeln" - kann ab August dann etwas prekär werden, da ich ja - wer es noch nicht weiß, weiß es gleich - zum Studium in die Niederlande ziehe und momentan drauf und dran bin, einen Platz im Studentenwohnheim zu bekommen. Die Zimmer sind jetzt nicht so pralle groß, was eine logistische Herausforderung für die Bücher wird. Aber ich wäre ja nicht ich, hätte ich nicht schon mental mit der Lösung dieses Problems begonnen. Wer mich kennt, weiß, dass ich für Logistik lebe. (Okay, wahrscheinlich weiß er das nicht, aber ich schwöre euch: Wenn ich will, dann kann ich Papier in meinem kleinen Mülleimer so stapeln, dass er ein halbes Jahr voll, aber eben noch irgendwie akzeptabel ist #SpecialSkills)

Allerdings - muss ich vielleicht noch erwähnen - "klammere" ich auch nicht extrem an Büchern, solang sie eben wieder zu mir zurückkommen. Wenn ich ein Buch richtig gut fand und mich aufgrund dessen gezwungen fühle, die "frohe Botschaft" zu verbreiten, leihe ich auch gern aus. Obwohl das ebenfalls manchmal zum logistischen Problem wird, da alle Freunde von mir, die mindestens ein Schuljahr älter als ich sind, mehr oder weniger in Deutschland verteilt leben (eher weniger als mehr wahrscheinlich, aber trotzdem!) und ich deshalb immer aufpassen muss, meine Bücher auch zurückzubekommen. Ein Bekannter von mir hat so beispielsweise schon ungefähr vier Jahre ein Buch ausgeliehen und ich bekomm es nicht wieder, weil er die letzten Jahre zwischen Rumänien (wenn ich mich nicht irre) und Deutschland gependelt ist und wir den Kontakt mehr oder weniger verloren haben. Aber na gut. Ich bleibe optimistisch, dass "Und in mir der unbesiegbare Sommer" irgendwann nach Hause kommt.


Was ist deine schönste Kindheitserinnerung?


Ich finde solche weitreichenden Erinnerungs-Fragen durchaus sehr schwer. Ich habe ein Gedächtnis wie ein Sieb. Wirklich. Weshalb mir spontan nichts einfällt, was eine so prägende Erinnerung war, dass ich sie als "die Schönste" bezeichnen würde.

Ich habe sehr viele "die Schönste"-Erinnerungen an meine Kindheit. Natürlich nicht nur, aber sehr viele. Ich komme vom Lande, aus einer intakten und liebevollen Familie und habe meine Kindheit draußen verbracht. Besser geht's eigentlich gar nicht. Zu sagen, dass meine ganze Kindheit "die schönste Kindheitserinnerung" war, würde die Sache jetzt vielleicht ein bisschen zu sehr romantisieren - und das entspräche auch nicht der Wahrheit -, aber wenn ich an die Urlaube mit meinen Eltern denke, an meine Familie im Allgemeinen und an meine Sandkastenfreunde, fallen mir sehr viele potenzielle schöne Kindheitserinnerungen ein. Aber wie gesagt: Ich könnte jetzt nicht spontan sagen "Das ist die eine!", wer weiß, vielleicht finde ich sie ja irgendwo in den Untiefen meines Gehirns ja noch mal.


Ich fände es sehr schön, wenn ihr mit der Teilname an der Aktion die liebe Frau Wölkchen und die gerade wieder aufkommenden Freitags-Fragen unterstützen würdet. Ich bin sicher, dass sie bei dieser Aktion nicht auf meine Hilfe angewiesen ist, aber schaut doch trotzdem mal hier beim aktuellen Beitrag vorbei.

Alles Liebe,
Antonia

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4/18/2016

Montagsfrage: Wenn du liest, stellst du dir dann bewusst alles vor oder passiert das eher automatisch? Oder liest du einfach ohne Kopfkino?


Ich melde mich wieder von der Abiturvorbereitungs-Front zurück. Nachdem ich gestern den ganzen Tag mit der Fertigstellung meiner Biozusammenfassung verbracht habe (ist schon die halbe Miete, wenn man alles so noch mal durchgeht) und ich tatsächlich genug Selbstbeherrschung hatte, vor Panik nicht in Tränen auszubrechen, kann es dann heute noch mal richtig in die Intensiv-Lernphase gehen. Was für ein Spaß. Glaubt mir, ich könnte mir meinen Montag auch mit wesentlich interessanten Dingen als "Die Zelle als lebendes System" und "Stoff- und Energiewechsel" vorstellen. Aber wie sagt man so schön? Was muss, dass muss. Also nicht rumgemeckert, sondern rangeklotzt. Das rocke ich am Freitag (hoffe ich zumindest). (Und am Montag danach rocke ich auch noch Geschichte.) (Und Englisch wird im Gegensatz zu Bio und Geschichte am Freitag und Montag dann ja fast schon ein Spaziergang.) (Optimismus, meine Freunde, Optimismus!)

Aber jetzt wird erst mal ein paar Minuten verdrängt, dass mir mein Gehirn gerade irgendetwas über Prokaryoten und Eukaryoten erzählen will und über Osmose, also die gerichtete Diffusion durch eine semipermeable Membran und GOTTVERDAMMT JETZT IST ABER MAL GUT, KOPF. (Der letzte Abschnitt hört sich fast schon danach an, als ob ich in Bio wüsste, was ich tue, und nicht nur ein verirrtes Küken bin, durch Winde in die Welt hinfortgetrieben wie Laubblätter im Herbst.) (Was für eine subtile Metapher.) (Und ein subtiles Wortbild.) (Mein Gehirn kram gerade schon nach der biologischen Erklärung vom Abfallen von Laubblättern im Herbst. Jetzt ist aber echt mal gut hier.)


Wenn du liest, stellst du dir dann bewusst alles vor oder passiert das eher automatisch? Oder liest du einfach ohne Kopfkino?


Oh man, wie soll ich euch jetzt mein Gehirn erklären. Das kann jetzt schon ein bisschen interessant werden. Also erst einmal: Ja, ich stelle mir Dinge vor, wenn ich lese und das passiert auch ganz automatisch. Wäre für mich viel zu anstrengend, wenn ich mich permanent selbst dazu zwingen müsste, irgendetwas vor meinem inneren Auge zu entwickeln. Da wird man ja kirre. 

Allerdings - und hier wird es interessant - sind es bei mir - ja - teilweise Bilder, aber viel öfter abstrakte Vorstellungen. Bin ich damit allein? (Höchstwahrscheinlich, ich bin ja auch komisch.) (Aber vielleicht auch nicht, dann fühlt euch frei euch als Abstrakt-Denker zu outen.) - Ich meine mit abstrakten Vorstellungen übrigens keine Bilder von Kandinsky. Ich sehe keine umherfliegenden Farbkleckse, so weit ist es dann auch noch nicht - keine Sorge. Unter "abstrakt" verstehe ich, dass ich die Dinge nicht sehe wie einen Film auf der Leinwand, sondern das, was hinter dem Film steckt. (Nein, nicht die Kamera.) Praktisch: Wäre meine Vorstellung ein Actionfilm, dann sehe ich keine umherfliegenden Autos, sondern konzentriere mich viel mehr auf das Gefühl, wenn etwas in die Luft fliegt. Die Angst, das Adrenalin und so weiter. Versteht ihr, was ich meine? Besser kann ich es wirklich nicht erklären.

Wenn ich mir dann richtige "Bilder" ausmale (ob jetzt - nur mal nebenbei bemerkt - bei einem Buch oder einfach nur mal so), sind es ganz oft Szenenabschnitte wie im Traum. Verwischt und undeutlich, aber man weiß tief innerlich, was damit gemeint ist. Als würde man von allen Charakteren nur die Umrisse sehen, so ist das bei mir. Mein eigenes Gehirn überlässt also mir selbst - und damit sich selbst - die genaue Vorstellung. Ja, wieso auch nicht. Darüber könnte ich verrückt werden. Wenn man immer nur die groben Umrisse seiner eigenen Buchcharaktere sieht, das ist schon ein bisschen deprimierend. Aber vielleicht geht es euch ja auch so.



Ich hoffe, ihr fandet diese Beschreibung jetzt nicht allzu verwirrend und konntet mir ein bisschen folgen. Wenn ihr diese Frage ebenfalls beantworten wollt, dann besucht doch hier den Beitrag von Buchfresserchen, unter dem ihr eure eigene Antwort verlinken könnt.

Alles Liebe 
(und viel Glück an meine Mitstreiter im Abi 2016 da draußen!)
Antonia

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4/11/2016

Montagsfrage: Wenn du ein/e Buch(-reihe) restlos vergessen könntest, um es/sie noch mal zu lesen, welche/s wäre das?


Morgenstund hat Gold im Mund, auch wenn mein Tag eigentlich erst um 12:00 Uhr mit meiner letzten Deutsch-Konsultation vor dem Deutsch-Abi so richtig startet. Die Abiturphase hätte nur Vorteile, stünde am Ende von ihr nicht das Abitur, sage ich euch. Aber hätte, hätte, Fahrradkette und so weiter. Ich bin jedenfalls früh wach und mache ein bisschen Dramen-Analyse, kann ja schließlich nicht schaden vor dem Abi am Donnerstag, bei dem ich eigentlich gern die Drameninterpretation machen würde, vorausgesetzt, es kommt kein Drama, mit dem ich nur Drama habe. Oh, diese Wortspiele am Morgen. Nun gut, bevor hier noch jemand den Klappspaten auspackt, um nach dem Witz bei Dingen zu graben, die ich vor 10:00 Uhr an einem Montag schreibe, konzentriere ich mich besser auf das Wesentliche: Die Montagsfrage.


Wenn du ein/e Buch(-reihe) restlos vergessen könntest, um es/sie noch mal zu lesen, welche/s wäre das?


Also bevor die Beantwortung der Frage los geht: Ich finde so viele Klammern und Schrägstriche extrem anstrengend beim Lesen. Und das nicht nur, weil ich in den letzten eineinhalb Stunden viel zu häufig elliptische Sätze markiert habe und irgendwie auch sonst gerade von rhetorischen Mitteln bedient bin. Davon abgesehen, darf ich mich als selbsterklärte Klammern-Königin nicht mal darüber aufregen. Wer im Schlachthaus sitzt, soll schließlich nicht mit Schweinen werfen.

Und nun zur eigentlichen Frage: Könnte ich ein Buch vergessen, würde es wahrscheinlich "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis sein - da war ich am Ende so was von schockiert und baff und beeindruckt, dass es sich wirklich lohnen würde, sich im Zuge einer Amnesie noch einmal vollkommen überraschen zu lassen. "Fight Club" von Chuck Palahniuk wäre es wahrscheinlich auch wert, aber da ich dort auch den Film kenne und es hier ja nur um Bücher-Vergessen geht, wäre das herzlich nutzlos. 

Bei einer Buchreihe, würde ich wahrscheinlich gern die komplette Percy-Jackson-Reihe (und wenn man's beim Fragen-Guru heraushandeln könnte auch gleich die Spinn-Off-Reihe) vergessen. Aber da kann ich mich auch getrost einfach auf mein schlechtes Gedächtnis verlassen. Gebt mir noch drei Jahre und ich lese die Reihe wie beim ersten Mal. Also. Nicht ganz. Aber Wortwitze zu vergessen und sich dann noch mal darüber zu freuen (und zumindest das ist nach ein paar Jahren bei mir der Fall), ist ja auch schon mal nicht schlecht.
So eine Reihe, bei der es sich aber auch richtig für die Geschichte zu vergessen lohnen würde, wäre wahrscheinlich "Die Tribute von Panem". Obgleich sich auch hier wieder das Problem mit dem Film ergibt. Verflixt aber auch, Kinematographie macht einem alles kaputt.



Wie sieht's bei euch aus? Würdet ihr auch gern eine Reihe vollkommen vergessen, um sie noch einmal von Anfang an zu lesen? - Den Post, unter dem ihr eure Beiträge verlinken könnt, findet ihr hier bei Buchfresserchen.

Alles Liebe,
Antonia
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4/10/2016

GESCHWISTERLIEBE in "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger - Wie Holden und Phoebe.


Tag fast vorbei, Deutschprüfung rückt in greifbare Nähe, ich analysiere schon eine Weile mit großer Begeisterung Friedrich Dürrematts Komödie "Die Physiker" (eines meiner absoluten Lieblingsdramen, deshalb ist das gar nicht mal so eine schlechte Art, sich den Tag zu vertreiben) und nach 50 Seiten intensiver Textarbeit, habe ich mir mal eine kleine Pause verdient. Und weil ich gerade so im Literatur-Fieber drin bin und heute zufälligerweise auch noch der Tag der Geschwister ist, wollte ich ein Zitat und einen kurzen Gedanken zu einem meiner Lieblingsbücher "Der Fänger im Roggen" dalassen:

Dann ging das Karussell los, und ich sah ihr zu, wie sie im Kreis fuhr. Es fuhren noch ungefähr fünf, sechs andere Kinder mit, und das Karussell spielte das Lied »Smoke Gets in Your Eyes«. Es spielte es sehr jazzig und komisch. Alle Kinder versuchten, nach dem goldenen Ring zu greifen, auch die gute Phoebe, und ich hatte irgendwie Angst, dass sie von dem verfluchten Pferd fiel, aber ich sagte nichts und tat auch nichts. Wenn Kinder nach dem goldenen Ring greifen wollten, muss man sie auch lassen und darf nichts sagen. Wenn sie runterfallen, fallen sie eben runter, aber es ist schlecht, wenn man ihnen was sagt.
Als das Karussell anhielt, stieg sie von ihrem Pferd und kam zu mir. »Jetzt fährst du aber auch mal«, sagte sie.
»Nein, ich seh dir einfach zu. Ich glaub, ich seh dir bloß zu«, sagte ich.
[...]
»Ich bin nicht mehr wütend auf dich«, sagte sie.
»Ich weiß. Beeil dich - gleich geht's wieder los.«
Dann gab sie mir auf einmal einen Kuss. Dann hielt sie die Hand auf und sagte: »Es regnet. Es fängt an zu regnen.«
»Ja.«
Und dann - es machte mich fast fertig -, und dann langte sie in meine Manteltasche, zog meine rote Jägermütze raus und setzte sie mir auf den Kopf.
»Willst du sie denn nicht?«, sagte ich.
»Du kannst sie eine Weile aufhaben.«
»Gut. Aber beeil dich jetzt. Sonst verpasst du die Fahrt. Dann kriegst du dein Pferd nicht.«
Aber sie blieb stehen.
»Hast du das ernst gemeint, was du gesagt hast? Gehst du wirklich nicht weg? Gehst du hinterher wirklich nach Hause?«, fragte sie.
»Ja«, sagte ich. Und das war auch mein Ernst. Ich belog sie nicht. Ich ging wirklich hinterher nach Hause. »Beeil dich«, sagte ich. »Das Ding fährt gleich los.«
QUELLE "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger, Rowohlt Taschenbuch Verlag S.267

Ich habe "Der Fänger im Roggen" immer sehr für diese Stelle geliebt. Sie steht am Ende der Geschichte. Wäre das Buch ein klassisches Drama, wären wir bereits im 5. Akt - die Handlung fällt auf das Ende zu und die Katharsis-Funktion setzt ein: Der Zuschauer, bzw. Leser, nimmt eine Lehre mit.

Die Vorgeschichte zu diesem Ende kann man wie folgt zusammenfassen: Holden Caulfield - der Protagonist der Geschichte - ist kurz vor Weihnachten wieder nicht versetzt wurden und fliegt nun von der Schule. Er kehrt nach New York zu seiner wohlhabenden Familie zurück, trifft aber seine Eltern nicht an, nur seine kleine Schwester Phoebe, an der ihm sehr viel liegt. Holden hat ein Problem mit dem Erwachsen-Werden und sieht es praktisch als das größte "Verderbnis" an, das jemals jemand erfunden hat, und will sich von dieser kranken Gesellschaft abgrenzen, indem er von Zuhause abhaut. Bevor er das tut, will er sich jedoch noch von seiner kleinen Schwester Phoebe verabschieden, die - zu seinem Entsetzen - zum vereinbarten Treffpunkt mit einem gepackten Koffer kommt. Phoebe will mit ihm mit Abhauen. Kommt für Holden natürlich nicht infrage und nach einem Streitgespräch zwischen ihnen und einer Weile, in der Phoebe ihn anschmollt, verspricht er ihr, nicht von Zuhause wegzulaufen, solang sie das ebenfalls nicht tut.

Im oben genannten Textausschnitt wird Holden Caulfield erwachsen und übernimmt erstmals im Buch reale Verantwortung. Er verliert sich nicht mehr in seinem eignen Unglück, sondern wird, was er werden muss, um das Leben seiner 10-jährigen Schwester nicht aus den Fugen zu heben. 
Das ist vielleicht das Schönste und das Traurigste, was ich jemals über eine geschwisterliche Beziehung gelesen habe. Es tut so weh und gleichzeitig so gut. So zurückstecken - und wie sehr er tatsächlich zurücksteckt, dazu müsstet ihr wirklich das Buch lesen -, weil man jemand anderen als wichtiger als sich selbst sieht und das nicht nur als oberflächliche Phrase, sondern als Gesetz meint, ist der Inbegriff von Liebe - für mich. Nicht, weil es schön ist - vielleicht ganz im Gegenteil -, sondern weil es sehr ehrlich ist.


Red hair,
small frame,
spinning ’round and ’round
Bright smile,
bright eyes,
reach out, reach out
Hold on,
hold onto childhood
as long as you can
But I,
I must let go
I must
let you go
A new dream to find,
a new love to chase
Days to get better
Teary eyes,
about to see clearer
I’ll see you,
I’ll see you around
Around and around
The Carousel. 

Quelle: informalformalists.wordpress.com 

Ich schreibe über diese Geschwisterbeziehung, weil mein Bruder und ich eine sehr ähnliche Beziehung zueinander haben wie Holden und seine Schwester Phoebe (wobei die Rollen sicherlich auch gedreht werden könnten). Wir passen aufeinander auf, indem wir auf uns selbst aufpassen. Und ich weiß nicht, wie oft er mich im letzten Jahr daran erinnert hat, wie wichtig das ist und ob er sich dessen überhaupt bewusst ist. Wichtig ist nur, damit möchte ich enden: Christian, ich bin froh, dass du auf mich aufpasst und mich daran erinnerst, dass ich auch auf mich selbst aufpassen muss. Ich hoffe, dir geht es genauso.

Das war mein Wort zum Sonntag. Und denkt dran, eure Geschwister zu schätzen und aufeinander aufzupassen. Ob nun am Tag der Geschwister 2016 oder an jedem anderen Tag des Jahres.

Alles Liebe,
Antonia

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4/04/2016

M Ä R Z - Abitur, Studienformulare und Dinge, die auch wirklich Spaß machen

Hallo meine Lieben,

ich bin mal wieder aus meiner Versenkung gekrochen, primär, weil ich gerade verdrängen muss, dass ich nicht alles noch für mein Deutsch-, Bio-, Geschichts- und Englisch-Abitur vorbereiten muss. Und die Tatsache, dass ich die erste Prüfung (Deutsch) bereits nächste Woche schreiben muss, trägt auch nicht unbedingt zur Entspannung bei. Donnerstag, zwar. Aber nächste Woche. Heiliger Heinrich*. 

Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich mich aufgrund dessen jetzt vollends wuschig machen würde. Ganz faul war ich ja in meinen eineinhalb statt zwei Wochen - vielen Dank, Kultusministerium - Osterferien auch nicht. Seit ungefähr zwei Wochen gehe ich meiner Familie jedes Mal beim Salat-Essen mit hypotonischen und hypertonischen Umgebungen auf den Kranz und ich glaube, ich bin nur noch einen Steinwurf davon entfernt, mich beim nächsten Übergießen von Salatdressing auf den Küchenboden zu werfen und zuckend "PLASMOLYSE! DEPLASMOLYSE! OSMOSE!" zu schreien. Bioabiturienten werden diesen Witz verstehen. Der Rest nimmt ihn einfach kommentarlos hin und lässt ihr vorübergleiten. Es ist gar nicht so intellektuell, wie es sich anhört.

Nun gut. Ihr erratet schon, woraus der März größtenteils bestand. Abitur. Verdrängung. Vorbereitung. Die zusammengesetzten Substantive sind sozusagen mannigfaltig. Und ich weiß, dass ich mit folgender Aussage alle Klischees eines Abiturienten bestätigen werde, aber es ist einfach so herrlich klischeehaft, dass ich nicht drumherumkomme: Ich habe in den letzten paar Wochen häufiger "Ich kann gar nicht glauben, dass wir in 3/2/1 Woche(n) die erste Prüfung schreiben." gesagt und gehört, als ich zählen kann. Und ich hatte in Mathe immerhin eine solide 2. So sieht's aus. Ihr werdet es nicht glauben, bis ihr selbst an diesem Punkt seid, aber manche Dinge stellt man sich einfach viel größer und viel spektakulärer vor. Und dann sind sie irgendwie so schnell da und man weiß gar nicht, wie einem geschieht. 

Das selbe Prinzip gilt übrigens für die Wahl und Einschreibung an einer Universität: Da ich ab September in den Niederlanden studieren werde und man diesbezüglich alles Wichtige bereits bis zum 1. Mai geklärt haben muss (zumindest an meiner Uni für meinen Studiengang - alle Angaben ohne Gewähr und so weiter), habe ich mich durch Anmeldeformulare geackert und englische E-Mails geschrieben, wie ein echter Pro. Na ja, eigentlich nicht. Aber das Satzende war so schön. Ich komme durch, sagen wir es so, ich habe einen Überblick und meistens breche ich auch nicht weinend über meinem Studie Link-Account zusammen und brülle "ABER ICH HABE MEIN DIPLOMA DOCH NOCH GAR NICHT! WAS SOLL ICH HIER HIN SCHICKEN? ICH WERDE NIE EINE WOHNUNG FINDEN! MEIN LEBEN IST EINE FARCE!", um mir anschließend Trost-Apfelchips reinzuhauen. Aber von Zeit zu Zeit könnte ich schon in meinen Schreibtisch beißen. Nicht, weil es so unheimlich kompliziert und unschaffbar ist, ein paar Formulare auszufüllen, sondern weil man selbst bei der Eingabe des eigenen Vornamens das Gefühl hat, gleich einen riesigen Fehler zu machen und die ganze Unibewerbung zu versauen und ohne Studienplatz im Strudel der prae-universitären Tatenlosigkeit zu landen. Über die Bitterkeit des letzten Satzes musste ich jetzt erst mal selbst schlucken. Ich bin die geborene Frohnatur. 

Ein bisschen Sicherheit gab mir der internationale Hochschultag, den ich am 19. März besucht habe - eine warme Empfehlung. Ihr werdet es nicht bereuen. Denn entweder ist eure Uni einfach eine Perle am Fluss und ihr habt so ein richtiges "Hier bin ich richtig."-Gefühl und könnt euren Freunden mit der detaillierten Beschreibung eines echt hübschen Sportzentrums auf den Kranz gehen, dass ihr aufgrund eurer natürlichen Abneigung gegen - na ja - Sport wahrscheinlich niemals wieder von innen sehen werdet (aber vielleicht bessere ich mich ja noch?) ODER ihr stellt fest, dass diese Universität nicht zu euch passt und ihr habt noch einige Monate Zeit euren ganzen Zukunftsplan über den Haufen zu werfen und die Uni zu finden, für die ihr tatsächlich schon immer bestimmt wart. 
An meiner Universität gab es den ganzen Tag kostenlose belegte Brote (PRIORITÄTEN!) und ich kann mich bereits im Bachelor in eine von mir angestrebte Richtung spezialisieren. Ihr könnt euch vorstellen, welche von beiden oben genannten Szenarien also auf mich zutrifft. (Das Sportzentrum ist wirklich hübsch). Und die Tatsache, dass eine Studentin auf eine Frage zur Anmeldung von mir im Gespräch irgendwann den Satz: "Studie Link hat mich so fertig gemacht." fallen gelassen hat, beruhigt mich ungemein. Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.

Wenn ich im März nicht gerade über Zukunfts-Fragen und Abitur-Zusammenfassungen verzweifelt bin oder kategorisch vergessen habe, Blogposts zu schreiben oder krank zu werden und so die Leipziger Buchmesse zu verpassen (slow clap, Antonia, slow clap), habe ich Supernatural gesuchtet. Ja. Gesuchtet. Ich bin Mitte der 6. Staffel und ich habe erst Mitte März angefangen. Sue me. Die Serie ist gut. Und sie macht mich fertig. Aber sie ist sehr gut. Und - als Beweis, dass ich auch Sozialkontakte gepflegt habe und nicht nur apathisch auf meinem Zweisitzer vor dem Fernseher herumgekullert bin - ich habe im März mein erstes Konzert besucht. Itchy Poopzkid. Es war der Hammer. Und vielleicht werde ich auf meine alten Tage doch noch cool. (Nein, wahrscheinlich eher nicht.)

Das war's auch schon vom März. Frage ist natürlich nun: Was hält der April nun so im Petto? Die Antwort darauf ist gleichermaßen hart und einfach: Den Kampf um das pure Überleben. Na ja. Vielleicht nicht ganz so schlimm. Aber fast! Ich schreibe im April drei Abiturprüfungen und habe den harten Kern geschafft, bevor ich Anfang Mai noch in die mündliche Englisch-Prüfung muss. Deshalb wird wahrscheinlich nicht so viel von mir kommen. Wenn ihr euch also fragt, was ich gerade mache: Stellt euch eine etwas verwirrt aussehende Blondine vor, die gerade in ein Oberstufen-Biobuch weint. Das bin ich. Prost Mahlzeit.


Alles Liebe,
Antonia


* Diese verstörende, von mir zueben erfundene Phrase bezieht sich auf meinen (eher weniger als mehr) geheimen Celebrity-Crush Heinrich Heine.

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