6/24/2016

[Antwort] Wölkchens Freitags Fragen


Nach einigen Malen, die ich nun aufgrund von Schule und Abschluss von Schule und Uni-Umzugskram Wölkchens tolle Freitags Fragen auslassen musste, bin ich endlich wieder mit von der Partie. Ich will mich gar nicht mit dem Schwingen von großen Vorreden aufhalten, sondern gleich zum wesentlichen kommen. Also. Bevor mich diese brütende Hitze noch umbringt. Hier sind sie. Live und in Farbe. Also. Live und in Schwarz-Weiß. Ihr wisst, was ich meine.


Wie gefallen dir Bücher, die auf Erlebnissen realer Personen beruhen? - Ist das etwas für dich oder eher nicht? 


In die Kategorie "Bücher, die auf Erlebnissen realer Personen beruhen" kann man ja sowohl Biographien oder "Erinnerungen" (also non-fiction-Werke) und Romane mit loser Parallelität (also fiction-Werke) zählen. An sich ist es natürlich schon mal ein riesiger Unterschied, ob ich nun ein Sachbuch oder einen Roman lese, der lose auf dem Leben von Person XY basiert, allerdings mag ich beides. Wieso ich dem ganzen jetzt einen ganzen Absatz gewidmet habe, fragt ihr euch? Tjaha. Es ist zwar ziemlich einfach zu sagen "Ich mag Biografien" (weil ich extrem neugierig bin und Biographien, bzw. irgendwelche "Erinnungs"-Werke anderer Natur meinen Klatsch-und-Tratsch-Lebens-Erfahrungs-Durst echt stillen und das toll ist), aber bei den ominösen "Büchern mit Parallelen zum realen Leben einer realen Person" - da wird es dann schon interessanter. Deshalb musste ich erst mal differenzieren, denn jetzt geht es erst richtig los mit der Antwort.

Also. Ich habe im Laufe der letzten zwölf Monate sowohl "Zwei Herren am Strand" als auch "It's Kind Of A Funny Story" gelesen - beide Bücher sind autobiografisch, ohne Biographien zu sein, aber auf ganz andere Art und Weiße. Beide fand ich großartig. Nun, wieso? Weil Erlebnisse realer Personen immer dieses spannende Prickeln von Authentizität besitzen, das ich an Büchern so schätze. Wenn ich ein Fantasy-Buch lese, dann lese ich das, weil ich offensichtlich Lust auf etwas fantastisches und von der Realität entferntes hatte. Wenn ich eine Komödie lese, dann lese ich die, weil ich lachen will. Wenn ich nun aber einen Roman lese, der weder Komödie noch Fantasy ist, sondern einen, der mir etwas über's Leben erzählen will, wieso sollte ich dann einen wählen, der dabei nicht wirklich ehrlich mit mir sein kann. Wieso sollte ich mir etwas von irgendeinem einem Roman über Depressionen erzählen lassen, wenn ich mir etwas von Ned Vizzini über Depressionen erzählen lassen kann, der selbst an Depressionen leidet und das autobiografisch in "It's Kind Of A Funny Story" niedergeschrieben hat? Es gibt nichts Schlimmeres, als Bücher, die von etwas reden, von dem sie keine Ahnung haben (gerade, wenn es ein so empfindliches Thema wie psychische Erkrankungen ist) und für genau solche Fälle lobe ich mir Bücher, die auf den Erlebnissen realer Personen beruhen. Weil ich eben nicht primär unterhalten werden will, sondern in das Leben einer anderen Person eintauchen. Nicht in ein pseudo-Leben. Sondern in einen aufgeschriebenen Teil davon, der jetzt nicht gleich eine Biografie sein muss.

"Zwei Herren am Strand" handelt übrigens ebenfalls von Depressionen, aber der Autor erzählt nicht von seinen eigenen sondern von denen von Charlie Chaplin und Winston Churchill und ihrer besonderen Freundschaft zueinander. Das ist wieder etwas anderes, deshalb bekommt es einen extra Absatz. Dieses Buch fand ich so gut, weil man irgendwann nicht mehr wusste, was Realität und was Fiktion ist. Es war sozusagen fast wie eine Biografie geschrieben, es war aber keine. Und das macht eben so viel Spaß, weil es einen selbst mutmaßen und ein bisschen nachrecherchieren lässt. Es lässt einen nicht los, auch wenn man es zuklappt. Und das hat ebenfalls eine - ganz andere - Art von Magie, ähnlich bei Horrorfilmen, bei denen am Ende "Beruhend auf einer wahren Begebenheit" steht. Man weiß nicht so wirklich, ob man das nun toll finden soll oder nicht, aber neugierig ist man auf jeden Fall.


Hast du schon mal einen Star getroffen? - Falls ja, wen? - Falls nicht, wen würdest du gerne mal treffen?


Ich bin mir - um ehrlich zu sein - nicht ganz so sicher, wann "Sternchen" aufhört und "Star" losgeht, deshalb könnte das ein bisschen vage werden.

Ich habe schon den Sänger und den Bassisten von Itchy Poopzkid nach dem Konzert, bei dem ich letzten März war, getroffen und ein Foto mit den beiden gemacht und mir die Bandbiografie unterschreiben lassen. Aber da die Band jetzt nicht so extrem in der breiten Bevölkerung bekannt ist, weiß ich nicht, ob das schon als "Stars treffen" gilt.

Ich bin auf der Leipziger Buchmesse mal an Günter Grass vorbeigelaufen, wobei ich ihn gar nicht gesehen habe (weil "Bücher Bücher Bücher Bücherstand uuuuuuh"), aber meine Mutter, die mit war, meinte irgendwann: "Da ist Günter Grass, Antonia!" und tatsächlich stand er da bei einem Stand rum. Aber Treffen ist das irgendwie nicht, nur Vorbeilaufen. Aber hey, ich bin schon mal an einem Literaturnobelpreisträger vorbeigelaufen! Hat doch auch was.

Und ich habe nach einem Gernot Hassknecht Bühnenprogramm mal Hans-Joachim Heist (also Gernot Hassknecht) getroffen, der übrigens extrem höflich und nett war. Ich weiß nicht, wie viele von euch die Heute Show gucken, aber ich bin ja ein riesiger Fan und deshalb war das schon sehr cool für mich.

Ansonsten hält es sich mit Star-Begegnungen bei mir ein bisschen in Grenzen. Und eigentlich ist mir das ganz recht. Denn immer, wenn ich Stars treffe oder zumindest kurz davor bin, artet es in folgende Optionen aus:

1. Ich werde extrem nervös. Nein, ich meine nicht süß-nervös, ich meine auch nicht "ich sage zwar nervös, aber eigentlich geht es"-nervös, sondern richtig nervös. Unangenehm nervös. Man sollte es nicht meinen, aber ich kann ganz schön schüchtern sein. Und in dem Moment ist das für mich einfach nur eine Tortur. In den letzten Jahren ist es schon besser geworden, aber früher war das extrem, wenn ich jemanden getroffen habe, der über das "Otto Normal bekannt" hinausgeht. Ich habe die Theorie, dass das davon kommt, dass ich mal bei einer Tabaluga-Aufführung als kleines Kind von dem Arktos-Schauspieler angesprochen wurde. Ja. Im Stück. Ja. Vor allen Zuschauern. Ja. Es könnte sein, dass ich ihm eine Legitimation zum Töten von Tabaluga gegeben habe, weil ich einfach extrem Angst hatte. Und allein der Gedanke daran jagt mir heute noch einen kalten Schauer über den Rücken. Und das hört sich wirklich viel lustiger an, als es eigentlich ist, weil ich habe jetzt beim Schreiben dieses Absatzes schwitzige Hände bekommen und das ist einfach nicht cool.

2. Ich würde wahrscheinlich gar nicht merken, dass ich an jemand berühmten vorbeilaufe, weil ich so etwas nie merke, weil ich immer viel zu sehr auf Details in meiner Umwelt fixiert bin, um überhaupt irgendetwas zu raffen. Und darüberhinaus habe ich ein ziemlich mieses Gesicht-Gedächtnis. Donna Tartt könnte mir wahrscheinlich von Hamburg nach München im ICE gegenübersitzen und ich würde es nicht merken. Auch das hört sich lustiger an, als es manchmal ist, weil ich beim Versuch, mir Menschen über Frisuren herzuleiten, schon zwei Mal einen fremden Mann gegrüßt habe, der komischerweise exakt den selben Haarschnitt wie einer meiner ehemaligen Englischlehrer besitzt. Zu meiner Verteidigung: Beide Male hatte ich keine Brille auf und alles an Gesichtern, das über fünf Meter weg ist, sollte ich dann nicht mehr identifizieren.


Das waren jetzt meine (doch wieder etwas länger als geplant gewordenen) Antworten auf Wölkchens Freitags Fragen. Ich hoffe, ihr habt einen guten Start ins Wochenende und schaut davor vielleicht noch hier bei Wölkchens Post vorbei und macht gleich mit. Lohnt sich, die Fragen sind immer sehr toll! 

Alles Liebe,
Antonia

P.S.: Ich würde mich übrigens gern über den politischen Blindschlag der britischen Bevölkerung auslassen, aber es könnte passieren, dass ich inzugedessen einen Herzinfarkt bekomme und ich muss noch Koffer packen. Habe mich heute schon extrem aufgeregt. Wieso? Wer schreibt auf diesem Blog und will im 5. Semester ein Auslandsjahr in England machen? Auf wen kommen wahrscheinlich übermäßig viele extrem komplizierte, extrem unnütze außerhalb-der-EU-Richtlinien für einen längeren Aufenthalt zu? Ja, ihr habt es erfasst. Antonia, Ende.

Kommentare:

  1. Deine Aufregung über das heutige Debakel verstehe ich voll und ganz...habe dazu einen Post für Morgen verfasst.
    Auf die Bücherfragen zu antworten, fehlt mir jetzt etwas die Zeit. Ich liebe Biografien. Meine Donnerstag-Reihe über großartige Frauen legt davon Zeugnis ab. Schau sie dir mal an!
    Bon week-end!
    Astrid

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    1. Das mit deiner Donnerstags-Reihe hört sich wirklich gut an. Mal sehen, vielleicht schau ich ja wirklich mal vorbei :)

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  2. Die Frage, was als Star gilt, habe ich mir auch schon gestellt. Ich treffe auch echt ungern welche, weil ich einfach absolut keine Ahnung habe, was ich da sagen sollte. Worüber redet man denn mit seiner Lieblingsband oder so? Ist mir völlig schleierhaft :D
    Bei mir läuft es wohl auch nur auf zwei Bands hinaus, bei denen ich auf einer Autogrammstunde war. Aber bis auf "hi" und "danke" hab ich auch nicht viel gesagt, also naja, so spektakulär waren diese Treffen nicht :D
    Itchy Poopzkid kenne ich aber! :D

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    1. Jacquy, es tut mir so leid - ich hab deinen Kommentar total übersehen D:

      Also hier die verspätete Antwort: Also in meinem Fall überlässt man das Reden mit der Lieblingsband eher den Begleitern und nuschelt einfach nur ein bisschen was in den nicht-vorhandenen Bart. Gott oh Gott, für so viel Aufregung bin ich echt nicht gemacht xD

      Wer die nicht kennt, verpasst auch was! Also, schön, dass du sie kennst. Müssten noch viel mehr Menschen :P

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Danke, dass ihr durch eure Kommentare aktiv zum Training von Antonias Sprunggelenken beitragt. Sollte sie nach eurem Kommentar länger nichts posten, liegt es nahe, dass sie sich beim Rückwärts-Flick-Flack nach dem Entdecken einen Wirbel ausgerenkt hat.

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