8/03/2015

Montagsfrage: Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

Die heutige Montagsfrage von Buchfresserchen (hier geht's zum aktuellen Post) ist für mich durchaus nicht leicht zu beantworten. 

Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

Ja, wie schafft sie das? Ich musste wirklich die tiefsten Urgründe meiner Charakter-Antipathien durchforsten, um darauf eine einigermaßen ordentliche Antwort zu finden. Tatsächlich habe ich mir zuvor noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht.

In erster Linie ist es wirklich schwer sich bei mir die Suppe so richtig gehörig zu versalzen, aber wenn es denn einmal passiert ist, hasse ich die Figur wirklich tief und innig das ganze restliche Buch lang. Das passiert vor allem, ...

> wenn man mitten in einem Alles-stürzt-zusammen/Wir-werden-alle-sterben-Teil des Buches ist und dann diese eine Person gibt, die glaubt, wenn sie sich von einer anderen Person fern hält wird alles wieder gut. Da kann man schon eine gewisse Aggressions-Schwelle bei mir überschreiten. So etwas passiert nämlich grundsätzlich in Büchern, in denen es sich um mehr dreht, als nur die Beziehung dieser beiden Figuren zueinander und irgendwelches Voneinander-Fernhalten überhaupt keinen Sinn macht, weil das eigentliche Problem viel größer ist. (Albus Dumbledore, ja, dir ist dieser Abschnitt gewidmet - ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich diese Figur nach dem 6. Band gehasst habe. Als ob Voldemort sich von Harry fern halten würde, nur weil Dumbledore sich geheimniskrämerisch in seinem Büro verschanzt. Wirklich, einsame Spitze, diese Logik.) (Offensichtlich macht das bei mir nicht nur Hauptfiguren unbeliebt)

> wenn wir es mit Hippies zu tun haben, die sich nicht die Hände schmutzig machen wollen. Das sind Figuren, die dir meist vor allem in Büchern begegnen, in denen es um nicht weniger als die Verhinderung des Untergangs der Welt geht und die zuvor über viele hundert Seiten durch nicht weniger als die Hölle gegangen sind. Wahrscheinlich sind zwischendurch auch noch die liebsten Personen der Hauptfigur gestorben oder wurden schwer verletzt/verschleppt/was auch immer und dann stehen sie dem Bösewicht gegenüber, auf den man das alles zurückführen kann. Und plötzlich entscheidet sich der Autor, dass der Charakter dem Bösewicht moralisch überlegen ist und sich nicht von seinem Hass leiten lassen darf. Was zur Hölle. Mal ernsthaft. Das ist so eine Charakterentwicklung, die vollkommen unrealistisch ist. Wenn einem richtig, richtig schlimme Dinge passiert sind, dann darf man auch mal Rache nehmen, ohne dabei gleich eine tiefe Sinneskrise zu durchleben. Es gibt eben Dinge in dieser Welt, über die man wütend sein darf und die man nicht besiegen kann, wenn man einfach in sich geht und den inneren Buddha findet. 
Das hört sich jetzt an, als wäre ich ein tief hassgeplagter, moralisch verwerflicher Mensch (bin ich nicht, keine Sorge xD), aber ich kann nicht nachvollziehen, wie man dem so ziemlich miesesten Charakteren einer Geschichte begegnen kann und die ganze Zeit seine Rache plant, nur um sie am Ende nicht durchzuführen, weil man ja ein so furchtbar guter Mensch ist, der stärker ist, als der eigene Hass. Das unterschlägt einfach die Tatsache, dass es manche Dinge gibt, die einen so verletzen, dass man nicht darüber hinwegkommen kann und verurteilt Menschen als unmoralisch, die so vom Leben gebeutelt werden, dass sie nicht einfach durchatmen und allen verzeihen oder Gnade gewähren können.

> wenn ein Charakter unvernünftig ist. Es gibt Hauptcharaktere, die sich selbst einfach überschätzen oder unterschätzen und damit andere Charaktere in Gefahr bringen (wobei dann meist meine Lieblingsfiguren dran glauben müssen). Ihr seid weder die unfähigsten Menschen dieser Welt, noch die tollsten. Und ihr kennt euch selbst schon eine ganze Weile. Da sollte man doch eigentlich erwarten, dass der Held der Geschichte in der Lage ist, nicht vollkommen irrational alles zu versaubeuteln.

Das waren jetzt ein paar wahre Romane und wenn ich weiter über Hauptcharaktere, die ich nicht leiden kann, nachdenke, fallen mir bestimmt noch viel mehr Dinge ein, die mich bei Hauptcharakteren wirklich auf die Palme bringen können. Aber ich bin meist eher auf der Seite der Hauptcharaktere, als andersherum. 

Liebe Grüße,
Antonia

Kommentare:

  1. Hach, gerade mit Punkt zwei sprichst du mir aus der Seele!
    Das nervt tierisch! 'Hm, nein, ich bring dich jetzt nicht um, weil ich bin cooler als wie du!' und dann noch so ein Bitch-Snap-Z. :'D
    Ach Gott, schrecklich. Ganz ganz schlimm.

    Ich fand die Frage aber auch irgendwie echt schwer zu beantworten, man hat das ja meistens eher so im Gefühl und fasst das ja nicht immer richtig in Worte...

    Den letzten Punkt finde ich aber auch ganz spannend, weil es ja oft so ist, dass Charaktere auf einmal, aus heiterem blauen Himmel heraus, einfach total dumm sind und Blödsinn machen, nicht nachdenken, obwohl sie vorher ja ach so klug und überlegt sind. Boah, nee... ätzend! :D

    Liebe Grüße

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    1. Ich denke du hast wirklich verstanden, wie ich den zweiten Punkt gemeint habe. Das ist einfach nur furchtbar. Man will ja auch selbst, dass der Bösewicht jetzt endlich sein Fett wegbekommt und dann wird er nicht mal im Ansatz so bestraft, wie er es verdient hatte >.<
      (Und oh Gott das Bitch-Snap-Z - der Tag an dem das ein Charakter vor einem Bösewicht beim "Finale" macht, wird der Tag sein, an dem ich einfach nur noch lache und einen Fanbrief an den Autor schreibe. Solang der Bösewicht dann sein Fett wegbekommt natürlich :D)

      Und bei dem Gefühl kann ich dir voll und ganz zustimmen. Es ist wirklich schwer sich da pauschal auf etwas festzulegen, weil die Art, wie die Person im allgemeinen handelt so komplex ist, dass man das meiste sowieso im Unterbewusstsein abspeichert und dann seine Schlüsse zieht.

      Da muss man aber auch einfach sagen, dass manche Autoren teilweise das richtige Timing zum "doof sein" verpassen und der Charakter dadurch unsympathisch wird. Es gibt Stellen, da ist Schussligkeit und Verpeiltheit einfach nur zum schießen und macht mehr sympathisch, als alles andere. Und dann gibt es Stellen... na ja... Da könnte man einfach ins Buch greifen und bestimmte Leute einmal ordentlich durchschütteln xD

      Alles Liebe :3

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Danke, dass ihr durch eure Kommentare aktiv zum Training von Antonias Sprunggelenken beitragt. Sollte sie nach eurem Kommentar länger nichts posten, liegt es nahe, dass sie sich beim Rückwärts-Flick-Flack nach dem Entdecken einen Wirbel ausgerenkt hat.

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