7/27/2015

Cover Monday #3 Der Distelfink

Intelligent & wahnsinnig gut recherchiert


Zum heutigen Cover Monday - einer Aktion der lieben Maura von The emotional life of books (hier geht es zum aktuellen Beitrag) - habe ich mich für das Cover des 2013 erschienenen Meisterwerkes "Der Distelfink" von Donna Tartt entschieden.

Der ein oder andere wird jetzt sicher wieder finden, dass das Cover irgendwie langweilig ist (und das ist vollkommen in Ordnung, weil ich genau die Langeweile mag und Geschmäcker verschieden sind), doch dieses Cover habe ich primär nicht ausgesucht, weil es aufregend ist oder einen aus hundert Metern Entfernung aus den Socken haut, sondern weil es zielgerichtet genau eine Sache will: Eine Geschichte erzählen. Und genau das sollte ein Cover auch tun. (darauf komme ich später zurück)

Wenn ich Donna Tartt aus den wenigen Informationen, die ich über sie besitze, einschätzen sollte, dann würde ich sagen, dass sie intelligent, zielgerichtet und unbestechlich ist. Es wäre gelogen, wenn ich nicht ohne mit der Wimper zu zucken zugeben würde, dass ich diese Frau vergöttere. Sie ist 51 Jahre alt, hat drei Romane geschrieben (immer in unheimlichen Abständen von 10 Jahren), für ihr Erstlingswerk "Die geheime Geschichte" (1982 begonnen, 1992 veröffentlicht) 450.000 Dollar Vorschuss - einer der höchsten jemals gezahlten - (das Buch verkaufte sich 5 Millionen Mal, übrigens, also das Erstlingswerk - ja, ich werde nicht drüber fertig) und ihr dritter Roman - "Der Distelfink" - hat letztes Jahr den Pulitzer-Preis (also den Autoren-Oscar) für Belletristik bekommen.

Wir haben hier also eine Autorin, die immer ca. 10 Jahre für ihre Bücher recherchiert und schreibt und damit einen unheimlichen, durchaus begründeten Erfolg hat. Und da nun "später" ist, möchte ich euch nun erläutern, was genau das alles mit dem Cover zu tun hat: Die Geschichte beginnt beim Cover. Das wird vielleicht nicht immer so verstanden und durchgesetzt, aber bei Donna Tartt, genauer gesagt beim "Distelfink", ist das durchaus der Fall. Wir sehen den Ausschnitt eines Gemäldes, welches auf der ersten Seite noch einmal vollkommen abgebildet ist: "Der Distelfink" von Carel Fabritius, 1654 gemalt (im Todesjahr des Künstlers, hat irgendwie Schauer-Charakter, ich denke, das war erwähnenswert) und nicht nur Titel, sondern roter Faden der Geschichte. Mit dem Distelfink beginnt alles und der Distelfink (und auch seine Geschichte, also die Geschichte des Bildes) zieht sich durch die komplette Handlung. Ich habe, als ich das erste Mal mit Donna Tartts Büchern in Berührung kam, einen ZEIT-Artikel über sie gelesen, nach dessen Lektüre ich nichts anderes als einen imaginären Hut vor ihr ziehen kann. Das Bild ist nicht willkürlich ausgewählt, sondern genau abgewogen, wie jeder einzelne Satz, jede Beschreibung, in der Geschichte. 
Donna Tartt nimmt ein relativ unbekanntes Gemälde mit einer unbekannten Hintergrundgeschichte, schreibt ohne Probleme sätzelange Schachtelsätze, schert sich nicht um die mehr Wenig- als Vielzahl ihrer öffentlichen Auftritte und nimmt sich genau die Zeit, die sie für ihre Meisterwerke braucht. Sie macht - um es auf den Punkt zu bringen - ihr eigenes Ding. Und das bewundere ich. Das bewundere ich am Cover und an der Geschichte, an ihrer Person, an ihrem Leben. Wir haben das Buch noch nicht aufgeschlagen, doch es gibt uns bereits den Gegenstand, der im Mittelpunkt steht: Der Distelfink, dieses Gemälde. Es tänzelt nicht um den heißen Brei, auch wenn sich die Dinge in wunderschöner und geschliffene Sprache einlullen. Im positivsten Sinne.

Ich mag das Cover, weil es zu der Geschichte passt und nicht vorgibt, etwas anderes, als diese sein zu wollen. Es ist durchaus schlicht, aber es ist auf den Punkt. Intelligent und unheimlich gut recherchiert (was man vollends erst versteht, wenn man die Geschichte gelesen und das Einweben des Gemäldes mit dessen Geschichte gesehen hat).

P.S.: Ich habe erst gut 130 Seiten des Buches gelesen, weil ich bisher noch nicht mehr Zeit hatte. Deshalb kann ich natürlich nur daraus meine bescheidenen Schlüsse ziehen. Da das Gemälde und seine Geschichte aber bereits aufgetaucht und eingewoben sind, entspricht das der Wahrheit. Inwiefern es sich weiter durch die Erzählung zieht weiß ich "nur" von meiner Mutter, die das Buch sehr liebt und bereits gelesen hat. Sollte jemand das Buch gelesen und das anders empfunden haben, ergebe ich mich und lasse mich belehren. Das mit dem Lesen werde ich auf jeden Fall nachholen und das Buch dann auch ausführlich rezensieren - versprochen!

Kommentare:

  1. Huhu ich habe deinen Blog gerade über die Aktion entdeckt Und bin gleich mal Leserin geworden. :-)

    Liebste Grüsse

    Sonja

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    1. Hallo Sonja :)

      Danke für deinen lieben Kommentar und deine neu-Leserschaft. Hätte ich Willkommens-Geschenke, so würde ich sie jetzt euphorisch verteilen und du hättest viele neue Kulis und einen coolen Lauter-und-Leise-Jutebeutel. Leider bin ich ein arme Socke und deshalb müssen wir auf Willkommens-Geschenke verzichten. Ich hoffe, du fühlst dich trotzdem wohl :P

      Liebe Grüße~

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  2. Hey,
    das Cover sieht wirklich gut aus. Ich mag diese Schlichtheit. 10 Jahre recherche ist wirklich viel. Aber es scheint sich ja auszuzahlen.

    Liebe Grüße
    nasemeis

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    1. Huhu Nasemeis :)

      Das stimmt allerdings. 10 Jahre sind schon ziemlich heftig. Es ist schon ein bisschen verrückt, wie weit da Autoren auseinandergehen können. Ich kenne - durchaus sehr gute - Autoren, die allerhöchstens ein paar Monate für die komplette Geschichte brauchen und Gegenbeispiele wie Donna Tartt, bei denen das eben nicht der Fall ist (gelinde ausgedrückt).

      Aber es ist gut, wenn jeder seinem eigenen Rhythmus folgt und, wie ich oben bereits erwähnte, sein eigenes Ding durchzieht. Dann kommt auch was Lesbares bei raus :)

      Liebe Grüße~

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  3. Hi!

    Interessante Ausführungen!

    Aber ich finde das Cover auch rein visuell sehr interessant. Nette Idee es so zu gestalten, als ob jemand den Schutzumschlag aufgerissen hätte.

    LG,
    André
    Bibiliothek von Imre

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    1. Hallo :)

      Nett, dass du das Cover nett findest (ich nämlich auch :P). Danke, dass du eine kleine Rückmeldung dagelassen hast ^^

      Alles Liebe,
      Antonia

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  4. Liebe Antonia,

    da stellst du heute ein Buch mit einem Cover vor, das ich selbst schon länger auf der Wunschliste habe und UNBEDINGT auch noch lesen mag. Ich bin sooo neugierig auf die Geschichte, das glaubst du gar nicht. Wahrscheinlich weil man fast nur Positives davon liest.
    Und ich finde das Cover gar nicht so langweilig, ein bisschen sieht es ja wirklich so aus, als würde ein Riss im Schutzumschlag sein, und dahinter eben das Bild mit dem Finken zum Vorschein kommen.
    Wenn du aber schreibst, dass dieses Cover einfach perfekt zu der Geschichte im Buch passt, dann kann ich dazu nur sagen: davon bin ich ein großer Fan!^^ Ich habe es gar nicht gerne, wenn ein Cover zum Beispiel wunderschön ist, im Grunde aber kaum zum Inhalt passt.

    Alles Liebe ♥

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    1. Huhu Janine :)

      Ich müsste mich eigentlich vor Scham im Boden vergraben (Kann man das so sagen? Ist zu früh am Morgen, um das abschätzen zu können...), weil das Buch schon viel zu lang bei mir im Schrank steht. Es kommt immer irgendwie irgendetwas dazwischen, was mich ein bisschen ärgert, weil ich gern schon weiter wäre.

      Schön, dass du das Cover als genauso interessant empfindest, wie ich. Ich finde es einfach toll abgestimmt und zusätzlich noch im Stil der anderen Bücher, die sie veröffentlicht hat (was ich toll finde, allein aus Schrank-ästhetischen Gründen).

      Liebe Grüße ^^

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Danke, dass ihr durch eure Kommentare aktiv zum Training von Antonias Sprunggelenken beitragt. Sollte sie nach eurem Kommentar länger nichts posten, liegt es nahe, dass sie sich beim Rückwärts-Flick-Flack nach dem Entdecken einen Wirbel ausgerenkt hat.

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